Capri        
 
           
Kurier, Wien -Capri in Schwarz-Weiß

Man muß Capri nicht mögen. Brecht etwa urteilte, die Insel sei »eine verfluchte blaue Limonade«, und Rilke ärgerte sich über »zu viele Berge auf zu engem Raum«. Ein Tagesausflug von Neapel aus muss heutzutage eine Qual sein. So wird man sich kaum mit Capromania anstecken können, dieser seltsamen Krankheit, die auch die Deutsche Yvonne Meyer-Lohr befallen hat. Sie träumt nicht nur von der Insel, sondern träumte auch von einem Buch, das Capri so zeigt wie sie es empfindet. In einem Münchner Schaufenster entdeckte sie ein Foto, auf dem waren das Meer und die Grotte nicht blau. Sie gewann den SchwarzWeiß-Fotografen Umberto D’Aniello für ihr Projekt.

Und mit Claretta Cerio, der heute 80-jährigen auf Capri geborenen Schriftstellerin, holte sie sich jene Zeitzeugin ins Boot, die das Buch schreiben sollte. Der Name Cerio hat auf Capri Symbolwert: Ihr Ehemann Edwin war selbst Schriftsteller und Bürgermeister. Claretta Cerio kannte Axel Munthe. Sie kannte auch Curzio Malaparte (»Kaputt«), der ein Haus in Form eines Bügeleisens bewohnte.

 
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